WERNER companies startet Piloteinsatz im BMW Werk Dingolfing
Nachhaltig gegen Glätte mit Gurkenwasser

In der heutigen Zeit hat das Thema Nachhaltigkeit einen so hohen Stellenwert wie nie zuvor. Die Maßnahmen, Methoden und Pläne, die ergriffen werden, um eine umweltschonendere Existenz zu gewährleisten, gestalten sich umfangreich in allen Bereichen des Lebens. Dies zeigt sich sowohl auf politischer Ebene in Form von umfassenden Klimapaketen als auch im Leben eines jeden Einzelnen. Weniger Verpackungsmüll, die Vermeidung von Plastik sowie die Verwendung von Mehrwegprodukten sind nur einige Beispiele, bei denen geringer Aufwand zu einer langfristig großen Auswirkung auf unser Ökosystem führen.

Auch in der Branche des infrastrukturellen sowie technischen Gebäudemanagements gewinnt die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit über die letzten Jahre zunehmend an Bedeutung. Die neuesten technischen Errungenschaften, die ein ressourcenschonendes Arbeiten ermöglichen, erhalten nach und nach Einzug selbst in die kleinsten Gebäudereinigungsbetriebe. Der Winterdienst ist ein Gewerk, dass hierbei häufig außen vorgelassen wird. Dabei ist eine intakte Verkehrsinfrastruktur sowohl für den einzelnen Bürger als auch für die Wirtschaft von existenzieller Bedeutung.

Der Einsatz von herkömmlichem Streusalz gegen die Winterglätte stellt besonders in Jahren mit erhöhtem Schneefall sowohl eine enorme finanzielle als auch ökologische Belastung dar. Die im Salz enthaltene Konzentration von mindestens 94% Natriumchlorid führt nicht nur zu einer erhöhten Korrosion einzelner Fahrzeugbestandteile, sondern schädigt langfristig sowohl Flora als auch Fauna.

Da das Salz meist nicht als Trockenprodukt, sondern gemischt mit Wasser auf den Straßen verteilt wird, gelangt es somit deutlich einfacher in den Untergrund oder unsere Gewässer. Durch verspritzten Schnee oder Wasser landet es zudem direkt auf Pflanzen am Straßenrand wodurch es laut Umweltbundesamt unter anderem zu äußerlich direkt erkennbaren Verätzungen von Pflanzen kommt.

Gravierender ist jedoch, dass das versickerte Streusalz über viele Jahre hinweg in unseren Böden verbleibt und sich dort langfristig auf den Nährstoffhaushalt der lokalen Vegetation auswirkt. Bleibt dieser für längere Zeit bestehen, werden Pflanzen und Bäume anfälliger für Krankheiten.

Die Suche nach einer umsetzbaren nachhaltigeren Alternative gestaltete sich in der Vergangenheit schwierig. Der Einsatz von Natriumacetat sowie Calcium Chlorid Flakes konnte im Test kaum überzeugen und stellt aufgrund eines erhöhten Kostenfaktors, verzögertem Wirkeintritts nach Anwendung sowie der wenig umweltfreundlichen Zusammensetzung keine adäquate Option zur Entfernung von Straßenglätte dar.

Pünktlich zum Wintereinbruch startete daher im vergangenen November die Testphase einer nachhaltigen Methode zur Bekämpfung von Winterglätte: Anstelle von herkömmlichem Streusalz werden die Straßen und Verkehrsflächen des BMW Werks Dingolfing künftig mit Gurkensole von Eis befreit.

Das Pilotprojekt ist ein weiterer Baustein des langjährigen Nachhaltigkeitsengagement der BMW Group. Denn die Nutzung von zuvor aufbereitetem Gurkenwasser bedeutet eine erhebliche Einsparung an Streusalz und hilft somit auf ökologische Art und Weise gegen Straßenglätte vorzugehen. Insgesamt mehrere hundert Tonnen Sole sollen in diesem Winter vom nahegelegenen Develey Standort an das BMW Group Werk in Dingolfing geliefert werden.

Bei dem Gurkenwasser handelt es sich allerdings nicht um die Flüssigkeit aus Essiggurkengläsern, die im Einzelhandel verkauft werden, sondern um Salzwasser, das bei der Produktion entsteht und bislang aufwendig über die hauseigene Kläranlage entsorgt werden musste.

Durch die neugewonnene Nutzungsmöglichkeit wird die Gärlake nun zunächst in einer speziellen, eigens zu diesem Zweck installierten Anlage am Develey Standort in Dingolfing, filtriert, um gröberes organisches Material zu entfernen. Anschließend folgt ein längerer Sedimentationsschritt, bei dem feine Trübstoffe abgeschieden werden.

Um beim Streuen eine optimale Tauwirkung zu erzielen, wird zuletzt der Salzgehalt der Lake von 7 auf 21 % erhöht und der pH-Wert im neutralen Bereich eingestellt. Es besteht jedoch keine Gefahr einer mikrobiellen Aktivität, da der Natriumchlorid-Gehalt hierfür deutlich zu hoch ist.

Ein unabhängiges Gutachten des Bayerischen Verkehrsministeriums sowie vorab durchgeführte Tests belegen, dass die Sole bedenkenlos auf vereisten Flächen eingesetzt werden kann.

Die Firma Develey kooperiert im Rahmen dieses Projekts bereits seit Ende 2019 mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Straßenmeistereien rund um das Gebiet Dingolfing nutzen die besondere Enteisungsmethode mittlerweile schon seit über einem Jahr – und das mit positiver Bilanz: pro Jahr könnten bisher ungefähr tausend Tonnen Streusalz sowie über 4,9 Millionen Liter Wasser eingespart werden.

Da sich der Einsatz von aufbereiteter Gurkensole auf den Straßen in und um Dingolfing bereits bewährt hat, bot es sich an, die nachhaltige Alternative aus der Nachbarschaft nun auch auf den Verkehrsflächen im BMW Group Werk Dingolfing anzuwenden. Am 10. November 2021 wurde der von Develey bereitgestellte Tank auf dem Werksgelände zum ersten Mal mit der Gärlake befüllt und mit den speziell umgebauten Winterdienstfahrzeugen des Dienstleisters WERNER companies auf dem Areal mittels eines Solestreuers verteilt. Die bereits erzielten Erfolge durch die neuartige Aufbereitung sowie stetige Weiterentwicklung von weiterverwertetem Gurkenwasser lassen eine vielversprechende Zukunft erahnen, in der die nachhaltigere Alternative zu klassischem Streusalz nicht nur in vereinzelten Gebieten, sondern großflächig bei Winterdiensteinsätzen verwendet werden kann.